09. November 1989- Heute vor 20 Jahren…

Ein wohl unvergesslicher Tag, zumindest in meinem Leben…
Es geschah an einem kühlen Donnerstagabend, wir (einige Freunde und ich) waren gerade auf der Rückfahrt der einmal wöchentlich stattfindenden Demonstration in Gera gewesen, einer Kleinstadt in Thüringen, wo sich tausende Menschen Woche für Woche für den Fall der Mauer, Reisefreiheit, Glasnost und Perestroika  versammelten, zunächst die abendliche Messe in bzw. (aus Platzmangel) vor der Johanniskirche besuchten und anschließend gemeinsam durch die Innenstadt zogen.
Auf dem Heimweg in den 20 Uhr News des Bayern 3 hörten wir dann allesamt mit großer Begeisterung, wie auch einer dicken Portion Skepsis die neuesten, für uns unglaublichen Geschehnisse aus Berlin „Die DDR habe Ihre Grenzen geöffnet“, die wohl trotz enormer Freude, keiner so wirklich zu glauben schien.
Bis in die frühen Morgenstunden verfolgte ich zusammen mit meinen Eltern, über die bis dahin ja verbotenen westlichen TV Kanäle die Sondersendungen über die aktuellen Ereignisse im Lande…
Am darauffolgenden Wochenende besuchten wir dann erstmals, den so „goldenen Westen“… Wir fuhren nicht wie die wohl meisten Thüringer in das nahegelegene Bayern, nein, für uns ging es in Richtung Norden, wir besuchen Berlin (da mein Vater ein waschechter Preuße ist) und dies blieb in unseren Erinnerungen ein wohl unvergessener, vor allem aber sehr emotionaler Tag…
Heute, 20 Jahre später…
Hin und wieder lässt man seine Gedanken schweifen und blickt in die Vergangenheit zurück, dies besonders natürlich an Tagen wie dem heutigen.
Aus meiner rein persönlichen Sicht war die Wiedervereinigung Deutschlands eines der besten Geschehnisse in meinem Leben gewesen. Ich wage es mir nicht ausmalen, was wäre heute, wenn dies nicht so geschehen wäre…
Weder wäre es mir dann möglich gewesen meinen Traumberuf zu erlernen, kurzentschlossen nach Bayern umzusiedeln und in den vergangenen Jahren, mir dort mein neues Leben aufzubauen… einen super tollen Arbeitsplatz zu finden, in dem man geachtet und dementsprechend fair behandelt/ entlohnt wurde… viele wunderbare Menschen… und letztendlich dann natürlich Oliver kennengelernt zu haben…
Hätte ich je den Petersdom in Rom besuchen, den traumhaften Allgäu lieben lernen, in Sirmione das wohl beste Eis schleckern können, ein U2 oder REM Konzert, wie auch Silvester am Brandenburger Tor hautnah erleben dürfen, und so vieles andere mehr…
Ebenso wäre es natürlich auch undenkbar, heute hier  mit meiner Familie in Südamerika lebend, diesen Bericht zu schreiben, eine Freiheit zu genießen, die ich nicht missen möchte!
Dem hingegen bin ich mir sehr wohl bewusst, dass zu all dem Erlebten was mich die letzten Jahre außergewöhnlich stark prägte, ebenso eine große Portion Glück gehörte und ich bin sehr froh damals den Mut gehabt zu haben relativ kurzentschlossen Thüringen zu verlassen.
Denn noch immer erschreckend ist, dass es bei weitem nicht jedem Menschen/ jeder Familie heute, nach mittlerweile 20 Jahren besser als damals zu tiefsten Kommunistenzeiten ergeht, im Gegenteil es bleiben sehr viele Menschen dabei auf der Strecke.
Wenn man dies, wenn auch aus weiter Ferne, in der eigenen Familie, wie auch bei Freunden und Bekannten  erfahren und miterleben muss, ist das nur schwer akzeptabel, irgendwo unverständlich und stimmt einen mehr als traurig…
Zwar lebt man heute in der so langersehnten Freiheit, und auch die Märkte sind endlich überfüllt mit allem was das Herz begehrt, doch fehlt heute oftmals das Geld um sich dies alles leisten zu können.
Die hohe Arbeitslosigkeit vor allem in Ostdeutschland, wie auch die noch immer viel zu niedrigen Löhne im Vergleich zu den alten Bundesländern lassen wohl auch in den kommenden Jahren auf keinerlei große Veränderungen hoffen.
Hierzu konnte ich einen aktuellen und sehr interessanten Link finden: http://www.boeckler.de/107_98622.html
Dementsprechend steigt die Frustration in den neuen Bundesländern, was  zum Teil verständlich ist.
Der schon ohnehin bestehende Spalt zwischen Ost und West scheint  sich somit eher zu vergrößern, als das ein Zusammenwachsen in Sicht wäre.
Trotz allem scheint es noch immer sehr viele“ Andersdenkende“ unter uns zu geben, sei es in Ost, Nord, Süd oder West- Deutschland, wie auch hier in Paraguay, was ich persönlich wohl niemals verstehen werde…

Menschen die sich die nach den früheren Zeiten sehnen, zum Teil sich die Mauer zurückwünschen…Menschen in Ostdeutschland, die den Westteil noch nicht ein einziges Mal betreten haben, wie auch umgekehrt…Für mich absolut unverständlich, doch jedem das seine…

Paraguay 2009

„Ohne Worte“

2 Kommentare zu “09. November 1989- Heute vor 20 Jahren…

  1. dagmar

    hallo ihr lieben – ela du hast mir komplett aus der seele geschrieben ( gesprochen)- sehe mich und meinen werdegang wieder vor meinem inneren auge – ob der selbst erlebten ereignisse vor 20 jahren – danke!

  2. Manuela Autor des Beitrags

    Hallo Dagmar & Gottfried, danke für die lieben Zeilen!
    Es ist schön zu wissen, das es doch vereinzelt noch Gleichgesinnte zu geben scheint;)
    schön das wir bald Nachbarn sein werden, mas ó menos…

    Liebe Grüße nach Norddeutschland

    éla

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.