Lebenshaltungskosten, reichen 500 EURO zum Leben?


Quelle:mekcar – Fotolia.com

Immer wieder werden wir gefragt ob man mit Summe x hier leben kann (meist geht es um die 500 EURO). Ebensoviel liest man über diese Zahl in diversen Foren oder Immobilienseiten.
Leben kann man hier sicherlich mit dieser Summe (wie in DE auch), aber ohne jegliches soziales Netz. Ob solch ein Leben allerdings erstrebenswert ist, ist eine andere Frage.

Nehmen wir mal als fixe monatliche Kosten:
Strom: 100.000GS
Wasser: 15.000 GS
Internet: 135.000 GS
Miete: 1.000.000 GS
Lebensmittel: 1.000.000 GS
Summe: 2.250.000 GS
Bei einem aktuellen Kurs von ca. 5800 GS je EURO macht das:
387 EURO
Das sind jetzt Beispielwerte vom unteren Ende der Skala, aus unserer Sicht.
Bei diesen Ausgaben hat man noch kein Auto, das mit erheblichen Kosten (teuer in der Anschaffung im Vergleich zu DE, hoher Verschleiss und somit hohe Reparaturkosten, hoher Spritverbrauch, weite Strecken)
Hier sind noch keine Ausgaben für diverse Reparaturen, Rücklagen, Neuanschaffungen, Freizeitaktivitäten, Kleidung, Krankheiten usw enthalten.
Man kann die Kosten natürlich etwas mindern wenn man Eigentum hat, aber das muss auch erst einmal bezahlt sein und von dem Geld kann man lange zur Miete wohnen.

Auch sollte man sich immer vor Augen halten das Paraguay im Schnitt eine Inflation von 10% hat und der Euro Kurs die letzten Jahre kontinuierlich nach unten ging.

Selbst als wenn man jetzt mit noch 500 EURO oder auch 1000 EURO im Monat hier leben kann, wie sieht das dann in 5 Jahren aus???
Dies ist eine elementare Frage die viele Auswanderer die sich hier ein billiges Leben erhoffen oft gar nicht stellen.

Ebenso hört man hier immer wieder von Einwanderer die Summe x als Startkapital zur Verfügung haben, und gleich in den ersten Monaten für Auto und Haus (beides meist durch Unwissenheit und/oder Naivität zu teuer gekauft) 90% Ihres Startkapitals ausgeben.
Und dann fängt man an sich zu überlegen wie man Geld verdienen kann, meist in einer Branche in der man noch nie gearbeitet hat und von der man keine Ahnung hat.
Deswegen eigentlich auch immer unser Rat: erst was Mieten, das Land in Ruhe ansehen, die Gewohnheiten hier studieren und sehen ob man mit dem Leben hier klar kommt.
Wenn man dann nach 1 bis 2 Jahren weiß, wie der Hase hier läuft, man die Sprache einigermaßen kann, weiß was für einen persönlich an Infrastruktur wichtig ist kann man sich auf die Suche nach einem eigenen Grundstück oder Haus machen.

Keine Frage, Paraguay ist aus unserer Sicht ein schönes Land zum Leben, u.U. auch ein günstiges Land, aber billig ist es hier schon lange nicht mehr.
Umso größer sollte eigentlich die Achtung vor den Einheimischen sein, die mit sehr wenig Geld hier auskommen müssen.

Es sollte sich halt jeder seine Ansprüche vor Augen halten und realistisch abschätzen ob seine finanziellen Mittel für ein Leben hier ausreichen (und sich das nicht selber schön reden oder schön reden lassen) , denn hier bekommt man keine Unterstützung vom Staat, und selbst die Deutsche Botschaft bezahlt das Flugticket in de alte Heimat nicht so ohne weiteres.

9 Kommentare zu “Lebenshaltungskosten, reichen 500 EURO zum Leben?

  1. simone

    Wenn ihr mit 100.000 Gs Strom auskommt, dann seid froh ! – wir zahlen mehr als das doppelte Minimum. Im Sommer mit Klimaanlagen natürlich noch mehr.
    Grüße aus Independencia

    1. Oliver Autor des Beitrags

      Hallo Simone, wir kommen damit auch nicht aus, das war nur eine Beispielrechnung.
      Wir brauchen auch zwischen 130.000 und 200.000 GS je Monat.
      grüße Oliver

  2. Christian

    Hallo ,
    Schwieriges Thema , aber da denke ich , wird jeder seine
    eigene Rechnung aufstellen muessen .
    Aber ich haette da mal eine Frage , wie definierst du
    ªsoziales Netzª ?
    Und Auto ist hier , meiner Meinung nach immer noch billiger
    als in DE , zumindest Treibstoffkosten und Reparaturen !
    100 tsd fuer Stromkosten finde ich schon OK !
    Die Klimaanlage ist bei uns ehe nie an.

    lg Christian aus Capiata

    1. Oliver Autor des Beitrags

      Hallo Christian,

      das ist klar, das muss jeder für sich REALISTISCH durchrechnen.
      Das machen aber viele nicht, bzw. lassen es sich von jemandem vorrechnen bzw. „schönrechnen“.
      Das Auto ist auch nur auf den ersten Blick billiger.
      Die Anschaffung eines Gebrauchten ist wesentlich teurer.
      Die Arbeitszeit ist sicher billiger in der Werkstatt, aber die Werkstätten arbeiten oft nicht so qualifiziert. Ausserdem sind je nach Auto die Ersatzteile teurer.
      Und der Verschleiss am Auto ist natürlich deutlich höher, sei es durch die schlechten Strassen, die hoghen Temperaturen oder den schlechten Spritt.

      Grüße Oliver

  3. Carmen

    Hallo, normalerweise schreibe ich grundsätzlich nichts in Seiten, aber bei diesem Thema kann ich es mir nicht verkneifen. Zu Summen will ich gar nichts sagen, aber jeder der auswandert sollte sich vorher überlegen, was er für einen Lebensstandart hat und braucht, weil Abspecken will niemand!! Auch wenn man am Anfang hört, na das brauch ich nicht und das kann man einsparen, das ist alles Quatsch!! Und das mit der Teuerung kann ich auch nur bestätigen, wir kamen vor 17 Jahren! Damals kostete das Lomito 6000 Gs.!!! Das waren umgerechnet 6,50 DM. Heute 10 EURO!!!
    Also wer Paraguay geniessen will, sollte ruhig und realistisch an die Sache rangehen!!

  4. Maldek

    Etwas zum Nachdenken:
    Im Jahr 2005 war der Euro zu Gs Kurs 1 : 8300
    Jetzt im Jahr 2011 ist der Euro zu Gs ca 1 : 6200

    Wir erkennen, über einen Zeitraum von 6 Jahren hat der PYG gegenüber dem „starken“ Euro erheblich an Wert gewonnen.
    Soweit so gut. ABER.

    Oliver schreibt „Paraguay hat ~10% Inflation pro Jahr. Diese Zahlen kann ich bestätigen.
    In Europa sagt die EZB sie hält die Inflation im Bereicht von 2% pro Jahr.

    Jetzt meine Frage – wie kann es sein, daß über die letzten 6 Jahre Paraguayische Guaranies im Jahr 10% an Wert verlieren, während der Euro ANGEBLICH nur 2% verliert und gleichzeitig der PYG mehr Wert wird?

    Diese Überlegung ist nur auf den ersten Blick verwirrend. Geht man jedoch davon aus, daß die EZB die Inflationsrate massiv fälscht, und rechnen wir in Europa mit 13% Inflation im Jahr, dann paßt die Rechnung.

    Dies würde auch perfekt erklären, warum das Leben in Paraguay für Deutsche in den letzten Jahren verhältnismäßig stark teurer geworden ist…der schwache PYG ist immer noch stärker als der Euro.
    Wer hätte das gedacht?

    Zu den Euro 500:
    Für eine Person läßt es sich mit GS 3,100,000 ganz gut leben in PY. Auch ein Pärchen sollte in der Lage sein damit auszukommen.

    Eine Paraguay Familie mit GS 1,500,000 im Monat gilt hier schon als gut verdienend.

    Jedoch:
    Deutsche Produkte könnt ihr nicht viele kaufen, die sind teurer als in D.

    Deutsche Restaurants könnt ihr nicht regelmäßig besuchen – selber kochen ist ohnehin gesünder und besser.

    Kranken- Lebens- Vollkasko- Feuer- oder sonstige Versicherungen sind dabei nicht enthalten. Meiner Ansicht auch unnotwendig, solange ihr Disziplin genug habt einige Millionen GS „auf der hohen Kante“ (Bank) zu haben und nicht anzugreifen für etwaige rechtliche oder medizinische Notfälle.

    Wollt ihr 2x im Jahr nach Europa fliegen die Familie besuchen kostet das extra.

    Wollt ihr auf Urlaub in Südamerika reisen, kostet das extra plus ihr braucht einen Aufpasser für euer Grundstück und die Tiere.

    Seid ihr männlich und dem paraguayischen Mädels nicht abgeneigt – plant ein extra Budget für sie und ihre (notleidende) Familie ein.

    Wollt ihr einen Pool, einen Gärtner und ein Hausmädchen – plant extra Kosten ein. Bei 3Mio/Monat wird das dann schon eng.

    Zusammenfassung:
    Mit 3m GS lebt es sich tadellos.

    Für ein „standesgemäßes Herrenmenschendasein“ sind im Raum Asu schon mindestens 10m notwendig, ansonsten um die 6m pro Monat.
    Wechselkurs 5500-7000 Gs pro Euro Schankungsbreite.

    In diesem Sinne, alles Gute
    Maldek

  5. Sylvasfarm

    Ich habe auf meiner Webseite auch einige aktuelle Preise geschrieben und mit Deutschland verglichen. Selbst in der Hochsaison ist Gemüse teilweise teurer als in Deutschland.
    Und wer dem Märchen glaubt, man könne hier 3 mal im Jahr im Garten ernten, der solle ruhig weiter träumen. Ich hab jedenfalls mit dem Garten zu kämpfen, daß wenigstens Salat wächst.
    Selbst mit 800 € kann man keine großen Sprünge machen.

    LG
    Sylvia

  6. Thomas

    Es gibt sicherlich immer noch viel zu viele Menschen, die das ganze unterschätzen und ohne genauen Informationen glauben mit sehr viel Geld irgend wo auszukommen. Hier sollte man der Realität allerdings ins Auge schauen, denn am Ende steigen die Preise mit der Zeit überall an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.